Der Autor Oliver Pötzsch im Interview mit SchülerInnen des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums in Leverkusen auf der lit.kid.cologne

Der Autor Oliver Pötzsch im Interview mit SchülerInnen des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums in Leverkusen auf der lit.kid.cologne

Foto © Gerald von Foris

Die vier SchülerInnen Hanna, Luisa, Nail und Tom vom Freiherr-vom-Stein-Gymnasium in Leverkusen sprachen mit dem Autor Oliver Pötzsch über seine Degen-und Fechtkunst, seine Begeisterung für Geschichte und erfuhren, warum er keinen Literaturnobelpreis braucht:

Oliver Pötzsch, Nail und Hanna

Der Autor Oliver Pötzsch im Interview mit den SchülerInnen des Freiherr-vom-Stein Gymnasiums. Im Comedia Theater in der Kölner Südstadt hatten die SchülerInnen die Gelegenheit mit dem Autor über seinen ersten Jugendroman zu sprechen. von links: Oliver Pötzsch, Nail und Hanna; Foto: © Kai-Erich Wahle

Tom: Wir sind Luisa, Hanna, Nail und Tom vom Freiherr-vom-Stein-Gymnasium in Leverkusen. Wir sind heute auf der lit.cologne und haben die Gelegenheit den Autor Oliver Pötzsch zu seinem neuen Jugendroman "Die schwarzen Musketiere - das Buch der Nacht" - zu interviewen.

Luisa: Herr Pötzsch, wie kamen Sie auf die Idee ein Buch mit einem historischen Hintergrund zu schreiben?

Oliver Pötzsch: Man muss wissen, dass ich ja schon Bücher für Erwachsene geschrieben habe und das sind historische Romane. Ich habe dabei immer wieder festgestellt, dass viel Geschichte dabei ist, die für Kinder oder Jugendliche auch sehr sehr spannend sein kann. Man muss es bloß ein bisschen anders erzählen. Dazu gehören zum Beispiel Schaufechter, die in diesem Buch eine große Rolle spielen; also Menschen, die herumziehen und ihre Degen- und Fechtkünste zeigen. Das ist der Grund, warum ich gesagt habe, ich schreibe mal einen historischen Roman für Jugendliche.

Luisa: Haben Sie sich schon in der Schulzeit für Geschichte interessiert, auch als Unterrichtsfach?

Oliver Pötzsch: Ja, meine zwei Lieblingsfächer waren immer Deutsch und Geschichte. Ich hätte sie auch gerne als Leistungskurse genommen. Ging aber damals nicht. Deutsch war kein Hauptfach. Unglaublich, aber das ist Bayern, egal, kleiner Seitenaspekt. Ich habe mich immer sehr für Geschichte interessiert. Geschichte kommt ja auch von Geschichten. Es sind nicht irgendwelche faden Jahreszahlen, die man im Grunde nur zur Orientierung braucht. Im Grunde sind es spannende Geschichten. Ich bin häufig über Friedhöfe gegangen. Das klingt ein bisschen morbide. Ich habe auf die Jahreszahlen geschaut, wer hat in der Zeit gelebt, wie sah es in der Zeit aus. Außerdem gehe ich gerne auf Burgen und überlege mir, wie es dann zu der Zeit aussah. (...)

Luisa: Wir haben gelesen, dass Ihre Vorfahren Henker waren. Hat ihre Familiengeschichte Sie zu diesem Buch inspiriert?

Oliver Pötzsch: Die Bücher, die ich für Erwachsene schreibe, haben definitiv mit meiner Familie zu tun. Da geht es sozusagen um einen meiner Vorfahren, der Scharfrichter im 17. Jh. war. Jakob Kuisl heißt er. (...) In diesem Buch kommt sowas wie eine Hinrichtung eher am Rande vor. Ich habe das mit der Scharfrichterei rausgelassen. Vielleicht nicht so sehr, weil ich denke, dass es zu gruselig für Kinder oder Jugendliche ist. Aber ich habe es schon in den anderen Büchern und wollte mal was Anderes machen.

Tom: In Ihrem Buch wird sehr detailliert vom Fechten erzählt und Sie haben auch selbst gefochten. Wie hat Ihnen das Fechten denn gefallen?

Oliver Pötzsch: Ich habe als Kind und Jugendlicher viel Fantasy-Rollenspiele gemacht und Fantasybücher gelesen, deswegen war mir Kämpfen in Büchern schon vertraut. Mir ist aber aufgefallen, dass es doch immer sehr an der Oberfläche beschrieben wird. Es gibt immer nur die Attacke, die Parade, Ausfall, Finte und dann ist Ende. Ich wollte, wenn ich so ein Buch schreibe, wo das Fechten im Mittelpunkt steht, das selbst ausprobieren. Ich habe mich extra an einer Fechtschule angemeldet und da einen Crashkurs in Schwert, Degen, Stock und Messer gekriegt und hab mich unglaublich blöde angestellt. Ich hatte die Hoffnung, ich sage nachher: „Oliver, das ist Dein Sport“. Aber überhaupt nicht. (...) Ich war komplett fertig. Man muss sich wahnsinnig konzentrieren, weil es so tänzerische Bewegungen sind. Ich war schweißgebadet danach.

Tom: Mit welchem Schwert kamen Sie am besten zurecht und welches hat Ihnen am besten gefallen?

Oliver Pötzsch: (lacht) Ich mag gerne den Degen. Ich finde, es ist eine sehr grazile Waffe. Das Schwert ist ja sehr brachial, damit haut man eher zu. Der Degen hat mir schon als Kind oder Jugendlicher gut gefallen, weil ich damit auch Geschichten verbinde. Man nennt es die „Mantel- und Degen-Romane“, eben die Musketiere, nach denen das Buch gewissermaßen benannt ist. Das fand ich immer cool, wie sie in den Filmen, z. B. mit Seilen irgendwie über Tische drüber sind und einen Salto machen. Kann ich natürlich alles nicht. Aber deswegen finde ich den Degen am besten.

Hanna: Sie haben zu Beginn Ihres Jugendromans geschrieben: „Für den Jungen, der ich einmal war, ich glaube diese Geschichte hätte ihm gefallen.“ Waren Sie auch so abenteuerlustig, wie Ihre Hauptfigur Lukas?

Oliver Pötzsch: Ich war vielleicht nicht abenteuerlustig, sondern ich habe eher wahnsinnig viele Abenteuerromane gelesen. Ich habe sehr sehr viel gelesen als Kind. Es war damals, wie ich finde, viel schwieriger für Jungs spannende Bücher zu finden. Für Mädchen, sage ich jetzt einfach mal, gab es mehr auf dem Markt. Aber wie heute, bspw. diese ganze Percy Jackson-Reihe oder was es alles gibt, auch mit ansprechenden Covern gab es damals weniger. Übrigens hat dieses Cover der Gleiche gestaltet, der die Percy Jackson-Cover gemacht hat. Ich habe diese Bücher verzweifelt gesucht und mich dann immer gefreut, wenn ich so eins gefunden habe, das man mit der Taschenlampe unter der Bettdecke liest. Und so ein Buch wollte ich schreiben

Hanna: Ihre Kinder haben das Buch auch gelesen. Welche Kritik hatten sie und wie haben sie Ihnen weitergeholfen?

Oliver Pötzsch: Also Sie haben mir sehr sehr weitergeholfen. Es war aber so, dass mein Sohn am Anfang ein bisschen Angst hatte, weil er mit dem Ende überhaupt nicht einverstanden war und Angst hatte mir das zu sagen. Und ich habe ihn immer gefragt, hast du das Buch jetzt gelesen und er hat rumgedruckst. Ich war beleidigt, weil ich dachte, er hat mein Buch nicht gelesen. Es stellte sich heraus, dass er sich nicht getraut hat, mir zu sagen, dass er mit dem Ende ein ganz großes Problem hatte, auch mit der Figurenführung. Es war sehr interessant. Er wollte, obwohl er ein Junge ist, trotzdem die Figuren tiefer haben, d.h. dass sie mehr fühlen, dass sie nicht nur blöd rumkämpfen, sondern dass sie auch richtige Gefühle haben, Motivation, Ziel, das habe ich verstärkt und ich habe das Ende so geschrieben, dass es im Grunde ... man darf nicht zu viel verraten. Ich habe einen klassischen Erzählbogen gemacht, den ich vorher nicht hatte. Er hat mir im Grunde das empfohlen, was in allen Ratgebern steht.

Nail: Das Cover wirkt auf uns eher kindlich, während die Geschichte aber für Jugendliche ist. Haben Sie das Cover selbst ausgesucht oder machen das andere?

Oliver Pötzsch: Das machen andere komplett. Ich habe da auch nicht so wahnsinnig Mitspracherecht. Wenn ich jetzt sagen würde, - ich bin jetzt nicht n ganz unbekannter Autor - ich kann mit dem Cover gar nicht leben, dann würden sie vielleicht darauf eingehen. Aber sie sind schon sehr überzeugt von dem Cover. Es ist absichtlich kindlich, weil es sich an 12- bis 14-jährige und auch an Percy Jackson-Leser wendet, aber es ist interessant, dass Du das sagst. Das Buch kommt jetzt im Sommer auch in den USA raus und sie machen definitiv, das haben sie gesagt, ein anderes Cover, um es eher für eine ältere Zielgruppe zu machen. Sie wollen einen „All-Ager“, also ein Buch das für alle Altersgruppen gilt. Harry Potter ist zum Beispiel so eins. Das lesen auch Erwachsene und das möchte man mit diesem Buch auch und dafür braucht man ein anderes Cover.

Nail: Sie waren wegen ihrer Arbeit beim Bayerischen Rundfunk schon auf Kuba und in Südafrika. Würde Sie auch gerne Lesereisen unternehmen und wenn ja wohin?

Oliver Pötzsch: Also ich habe schon Lesereisen in andere Länder unternommen. Ich war jetzt zweimal in den USA, jetzt gerade in Russland und in kleineren Ländern. Mich hat gerade Bulgarien eingeladen, davon weiß ich nur, dass sie die Deutschen mal bei der WM, wo ich war, vermöbelt haben vor langer Zeit. Sonst weiß ich von dem Land eigentlich nichts, deswegen finde ich sowas immer total spannend. Russland war für mich auch super spannend. Ich kannte dieses Land im Grunde nur durch die Berichterstattung. Dass ich mit den Leuten reden konnte und dass ich die Möglichkeit habe mit einem Buch dort hinzugehen, war ganz groß.

Hanna: Der letzte Satz Ihres Buches lautet: „Irgendetwas sagte ihm, dass der Aufbau der Burg vielleicht doch ein wenig warten muss." Wir finden, das klingt so als ob es eine Fortsetzung gäbe, haben wir da Recht?

Oliver Pötzsch: Aber definitiv! Also das Buch war angedacht schon von vornerein als eine Trilogie. Der zweite Teil kommt jetzt im Sommer raus. Ich hoffe doch schwer, dass es noch einen dritten Teil gibt.

Luisa: Was für Ziele haben Sie sich noch gesetzt? Möchten Sie noch immer den Literaturnobelpreis gewinnen?

Oliver Pötzsch: Das fragen mich Journalisten ganz oft, weil ich das mal irgendwo geschrieben habe. Ich glaube, das steht auf der Homepage. Das war aber im Spaß gemeint. Ich wollte nie den Literaturnobelpreis haben. Wenn man den Literaturnobelpreis gewonnen hat, sind das meistens Bücher, die nicht so viele Leute lesen. Es sind sehr, wie man sagt, anspruchsvolle Bücher, dicke Bücher, bei denen man viel nachdenkt und ich wollte eigentlich immer spannende Bücher schreiben, die man auch am Strand mal liest. Ich finde diese Bücher haben auch ihre Berechtigung, deswegen werde ich nie den Literaturnobelpreis bekommen, das ist auch okay.

Nail: Vielen Dank für das spannende und interessante Interview. Wir wünschen Ihnen noch viel Spaß und Erfolg beim Schreiben!

Oliver Pötzsch: Vielen, vielen Dank. Super, dass ihr das macht.

Louisa Tom Nail Hannalit.kid.cologne 2016

Die SchülerInnen Luisa, Tom, Nail, Hanna und der Autor Oliver Pötzsch auf der lit.kid.cologne im Comedia Theater in der Kölner Südstadt; Foto: © Kai-Erich Wahle

Hier gibt's die Audiodatei des Interviews:

 

Und hier geht's zur Rezension:

Oliver Pötzsch: Die schwarzen Musketiere - Das Buch der Nacht

Kurzbiografie:

Oliver Pötzsch, Jahrgang '70, war zunächst als Journalist beim Bayerischen Rundfunk tätig, bevor er sich seit 2013 hauptberuflich seiner Leidenschaft der Schriftstellerei zuwendete. In seinen historischen Romanen für Erwachsene verknüpft er spannende Geschichte(n) mit der eigenen Familienhistorie. Seit diesem Jahr begeistert er nun auch jugendliche LeserInnen für historische Romane mit seinem ersten Jugendroman "Die schwarzen Musketiere - das Buch der Nacht".

 

Das Interview wurde von der LESEPUNKTE-Redaktion für einen verbesserten Lesefluss gekürzt und an eine geschlechtergerechte Sprache angepasst. Das ausführliche Interview steht für Euch als Audiodatei bereit.

Empfohlene Zitierweise

Interview mit Oliver Pötzsch (Hanna R., Luisa Sophie R., Nail V., Tom K.): In: lesepunkte 2016, URL: http://lesepunkte.de/interview/der-autor-oliver-poetzsch-im-interview-mit-schuelerinnen-des-freiherr-vom-stein-gymnasiums-in-leverkusen-auf-der-lit-kid-cologne/
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