Marcel Ruijters: Hieronymus Bosch

Lesepunkte: 4 Punkte
Autor: Marcel Ruijters
Titel: Hieronymus Bosch
Verlag: Avant Verlag, 2016 ISBN: 978-3-945034-36-1
Seiten: 159 Preis: 24,95 Euro
Altersempfehlung: ab 14 Jahren

Rezensiert von: Jakub Haushahn, Q1 [Bischöfliches Gymnasium Josephinum Hildesheim; Betreut von: Frau Dr. Sabine Schreine]

Marcel Ruijters Grafiknovel „Hieronymus Bosch“ beschreibt das Leben des sogenannten Teufelsmalers Hieronymus Bosch. Das Buch ist in sechs Kapitel aufgeteilt. Eine Besonderheit hierbei ist, dass jede Kapitelüberschrift mindestens einmal wortwörtlich in einer Sprechblase innerhalb des Kapitels auftaucht. In diesen sechs Kapiteln wird die Lebensgeschichte von Hieronymus Bosch erzählt. Es gibt einige Rückblenden, die die Kindheit und besonders ein sehr traumatisches Ereignis seiner Kindheit zeigen: Als Hieronymus ein kleiner Junge war, gab es einen verheerenden Brand in seiner Heimatstadt Hertogenbosch. Mit intensivfarbig orange-roten Bildern verdeutlicht Ruijters, welche Bedeutung dieses Ereignis für den jungen Hieronymus gehabt haben könnte.

Im Grafiknovel stellt Ruijters Hieronymus Bosch‘ dramatische Darstellungen der guten wie der schlechten Seiten der Menschheit so dar, dass der Betrachter heute selbst beim Erhängen eines Mannes etwas zum Schmunzeln finden kann. Gleichgültig, ob Alltägliches wie das Einkaufen von Fisch am Fischmarkt oder Außergewöhnliches wie der Aufstand der Bauern, alles wirkt durch die Darstellung in Comicform nicht ganz so ernst, wie es beispielsweise wirken würde, wenn statt des Comics Fotos zu sehen wären.

Ruijters bedient sich bei Hieronymus Bosch‘ Bilderwelt: Dieses Buch zeigt, vielleicht ein wenig überspitzt, das damalige Leben. Damals wie heute gibt es keine perfekten Menschen. Dies wird sehr deutlich, wenn man sich die Menschen anschaut, die Hieronymus im alltäglichen Leben begegnen. Die meisten haben entweder zu große Ohren, eine zu lange Nase oder einen Buckel. Wenn man zum Beispiel das Tryptichon „Der Garten der Lüste“ von Hieronymus Bosch betrachtet, so findet man Teile davon auch in dieser Grafiknovel wieder. Ruijters Darstellungen sind also bei Hieronymus Bosch selbst inspiriert. Ruijters liefert auch gleich eine Erklärung, wie Hieronymus Bosch solche Bilder malen konnte: Er habe seine Welt als Hölle einer Vision einer besseren Welt angesehen. Ganz deutlich wird diese Sichtweise, wenn man sich die Menschenmassen bei Spektakeln, wie der Bestrafung des Taschendiebes, genauer anschaut. Während solcher Menschenansammlungen fühlen sich die meisten unbeobachtet, sie lassen ihre Maske fallen und zeigen der Welt ihr „wahres“ Gesicht. Genau diese Gesichter hat Hieronymus, so Ruijters Ansicht, gemalt.

Das Buch lässt sich verständlich lesen, allerdings ist der Witz versteckt. Für Menschen, die kaum etwas über das Mittelalter wissen, kann es schwer sein, zu erkennen, was reine Fiktion und was Wirklichkeit ist. Sprachlich ist alles sehr einfach gehalten und gut verständlich, bis auf einige Ausnahmen, wo der Autor Latein verwendet. Was ein wenig Verwirrung erzeugt, sind die Namen der Figuren. Bevor man anfängt, das Buch zu lesen, sollte man auf die vorletzte Seite schauen. Dort ist ein Stammbaum zu sehen, der einem das Lesen erleichtert. Auf derselben Seite sind auch noch die Gemälde von Hieronymus Bosch abgebildet, welche im Comic an unterschiedlichen Stellen als Vorlage verwendet werden.

Abschließend kann ich noch sagen, dass jeder, der Interesse für diese Zeit oder für den Teufelsmaler Hieronymus Bosch aufzeigt, voll auf seine Kosten kommen wird. In meinen Augen ist dieses Graphiknovel nichts für kleine Kinder, sie sollte eher von jungen Erwachsenen aufwärts gelesen werden.

 

Empfohlene Zitierweise

Jakub Haushahn, Rezension von: Marcel Ruijters: Hieronymus Bosch, In: LESEPUNKTE 2017, URL: https://lesepunkte.de/rezensionen/marcel-ruijters-hieronymus-bosch/
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