Rückblick auf das LESEPUNKTE-Projekt „Viele Schulen, ein Buch“ aus der Perspektive einer Schülerin

Rückblick auf das LESEPUNKTE-Projekt „Viele Schulen, ein Buch“ aus der Perspektive einer Schülerin

Ein Bericht zum LESEPUNKTE-Projekt "Viele Schulen, ein Buch" von Fátima Haji

Darmstadt im April 2018.

Am 08.03.2018 fuhr ich gemeinsam mit vier weiteren SchülerInnen der Jahrgangsstufe 8-11 aus der Lichtenbergschule Darmstadt, begleitet von Frau Sachse, nach Köln zu den LESEPUNKTE-Projekttagen „Viele Schulen, ein Buch“. Nach kurzem Abstecher auf den Kölntriangel mit Panorama-Ausblick auf Köln und einem darauffolgenden Rundgang durch die Stadt ging es zum Zentrum für LehrerInnenbildung (ZfL) der Universität zu Köln. Wir lagen relativ gut in der Zeit, sodass wir die hervorragende technische Ausstattung im Konferenzraum nutzten, um unsere Fragen für das am Abend bevorstehende Autorengespräch mit Rüdiger Bertram gemeinsam kooperativ vorzubereiten. Nachdem auch die Delegationen der anderen fünf Schulen aus Köln und Bayern eingetroffen waren, setzten wir uns in einen Kreis und begannen mit Spielen, um uns untereinander besser kennenzulernen. Ebenso sammelten wir in immer wieder neu durchmischten Kleingruppen Fragen, die wir dem Autor von „Der Pfad. Die Geschichte einer Flucht in Freiheit“ gerne stellen wollten. Nach der Kennlernrunde gab es einen kleinen Imbiss, bei dem man sich noch näher kennenlernen konnte. Es ergaben sich Gespräche zwischen den Jugendlichen, den Lehrkräften, aber auch zwischen Lehrkräften und SchülerInnen. Mit vollem Magen ging es zur Universitäts- und Stadtbibliothek der Universität zu Köln, wo der Autor Rüdiger Bertram bereits auf uns wartete. Er erzählte uns - gestützt durch gutes Bildmaterial wie auch mit direktem Bezug zum Buch „Mein Weg über die Pyrenäen- Erinnerungen 1940/41“ von Lisa Fittko, wie es dazu kam, das Jugendbuch „Der Pfad. Die Geschichte einer Flucht in Freiheit“ zu schreiben und das wichtige Thema von Fluchtrouten speziell über die Pyrenäen in der NS-Zeit aufzugreifen. Aufgrund der Aktualität des Themas stellten sich viele der jugendlichen TeilnehmerInnen die Frage, ob die Veröffentlichung – ein von der NRW-Filmförderung  unterstütztes Projekt – in einem Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise 2015 steht.

Vor Ort war ebenso die ARD-Journalistin, Antje Deistler, die das Gespräch moderierte und im Anschluss an die Präsentation und Lesung Fragen an den Autor stellte. Schnell aber übernahmen die SchülerInnen ihre Rolle und stellten sogar noch deutlich kritischere Fragen.  Nachdem Rüdiger Bertram alle Fragen beantwortet hatte, signierte er unsere Bücher und stand für weitere Gespräche zur Verfügung. Unser Mitschüler Gero nutzte sofort die Gelegenheit und lud ihn ein, auch mal nach Darmstadt zu kommen, um an unserer Schule, einer  Europaschule, eine  Lesung zu diesem spannenden Thema zu gestalten. Nach der Lesung ging es zur Gastfamilie, wo sich noch lange Gespräche entwickelten, um mehr voneinander zu erfahren.

Früh am Morgen ging es dann weiter in die Stadt, wo wir uns im NS-Dokumentationszentrum (EL-DE-Haus) trafen. Dabei stellten wir Bezüge zum Buch her, da dieses ja die Flucht eines Jungen in der Zeit des Zweiten Weltkriegs thematisiert, dessen Vater während der Flucht von der GESTAPO verhaftet wird. Dort erhielten wir, aufgeteilt in zwei große Gruppen, eine Führung durch die Gedenkstätte. Bei dem EL-DE-Haus handelt es sich um ein ehemaliges Büro der GESTAPO, welches ebenso im Keller als ein Hausgefängnis für Zwangsarbeiter genutzt wurde. Nachdem wir einen Eindruck erhalten hatten, wie die NS-Zeit in Köln war und hautnah sehen konnten, unter welchen Umständen Zwangsarbeiter in Gefangenschaft gehalten wurden, ging es mit einer praktischen Aufgabe im Lernlabor weiter. Dort erarbeiteten wir spielerisch die Geschichte des Lebens einer Zwangsarbeiterin und visualisierten sowohl die erfreulichen (vor der Verhaftung)  als auch die bedrückenden Facetten ihres Lebens in Form eines Bildes.

Am Nachmittag ging es zurück ins Zentrum für LehrerInnenbildung der Universität zu Köln, um dort zu Mittag zu essen. Danach ordnete sich jeder einem der drei Workshops zu: Schreib-, Illustrations- oder Theaterworkshop, an welchem ich teilnahm.

Im Theaterworkshop probierten wir unterschiedlichste theatralische Aufgabenstellungen aus.  Dabei legten wir den Fokus darauf, entscheidende Szenen aus dem Buch einzubinden.  Nach einer sehr erfolgreichen Arbeitsphase beendeten wir den Tag mit einem Abendessen. Danach ging es für manche zurück zur Gastfamilie, andere widerrum blieben noch etwas, um zusammen den Film „Ein Sack voll Murmeln“ zu schauen, eine Verfilmung des autobiographischen Romans von Joseph Joffo „Ein Sack voll Murmeln“, der die Flucht zweier jüdischer Brüder aus Paris erzählt.

Am nächsten Tag ging es mit gepackten Koffern zurück zum ZfL, wo wir zunächst in den Workshops weiter an unserer Vorführung übten. Nach einer kurzen Probe und weiteren Abklärungen begann schon die Präsentationsrunde, bei der die jeweiligen Gruppen ihre Ergebnisse aus den Workshops präsentierten. Der Schreib-Workshop trug seine Texte vor, der Illustrations-Workshop zeigte seine Bilder und mein Theater-Workshop spielte die eingeübten Szenen vor. Insgesamt waren alle Präsentationen sehr eindrucksvoll. Die Texte, Bilder und Fotos von der Theatergruppe werden seit dem 25.04.2018 im Rahmen der Ausstellung zum Projekt „Viele Schulen, ein Buch“ im ZfL ausgestellt.

Um die drei Tage zusammenzufassen und ein Fazit aus dem Projekt zu ziehen, kann ich sagen, dass es im Gesamten sehr gelungen war, da ich in vielen Bereichen an Erfahrung(en) gewinnen konnte. So war es das erste Mal, dass ich die Chance erhielt, mit einem Autor, dessen Buch ich gelesen hatte, ins Gespräch zu kommen und dadurch alles mögliche an Fragen, die ich mir im Laufe des Lesens gestellt hatte, geklärt zu bekommen. Des Weiteren konnte ich durch den Theater-Workshop ein paar Tipps erhalten, die ich hinsichtlich meiner Theaterprüfung in der Schule im Hinterkopf behalten werde. Ich habe außerdem viele neue Freundschaften knüpfen können, auf die ich bei einem Besuch in Köln immer wieder zurückgreifen kann. Außerdem freuen wir uns auf ein Wiedersehen, vielleicht bei einer  Lesenacht an einer der LESEPUNKTE-Schulen und auf jeden Fall auf der Frankfurter Buchmesse 2018. Nebenbei konnte ich Köln als Stadt kennenlernen. Ein daher insgesamt tolles, gesellschaftlich relevantes Projekt, bei dem ich immer wieder teilnehmen würde.

Empfohlene Zitierweise

Fátima Haji [Schülerin der Lichtenbergschule Darmstadt]: Rückblick auf das LESEPUNKTE-Projekt „Viele Schulen, ein Buch“ aus der Perspektive einer Schülerin. In: lesepunkte 2018, URL: https://lesepunkte.de/projekt/rueckblick-auf-das-lesepunkte-projekt-viele-schulen-ein-buch-aus-der-perspektive-einer-schuelerin/
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