Der Buchclub “Hermines Bibliothek” stellt sich vor

Der Buchclub “Hermines Bibliothek” stellt sich vor

Aus einer Notlösung wird der Masterplan.

Irgendwie war es schon immer komisch: „Hermines Bibliothek“ wurde vor 6 Jahren als Buchclub im Geschwister-Scholl-Gymnasium Pulheim gegründet. Der Name leitet sich von einer der beliebtesten Leseratten der Jugendliteratur, Hermine Granger aus „Harry Potter“, her.  Ein schuleigener Buchclub, der nichts mit der Bibliothek zu tun hatte und von dem niemand wusste, dass er überhaupt existierte. Sprach man darüber oder erwähnte man, dass man in diesem Club Mitglied war, erntete man nur verwirrte Blicke zusammen mit der Frage: „Was ist das?“ Nicht, dass sich sonderlich viele dann wirklich dafür interessierten. Irgendwie war ein Buchclub nicht gerade für die meisten geschaffen oder galt als cool. So blieben wir Büchernerds mehr oder weniger unter uns.

Das sollte sich jedoch nach den Sommerferien ändern. Der durch Krankheit bedingte Ausfall unserer Bibliothekarin zog einen Mangel an LehrerInnen mit sich, die sich um die Bibliothek kümmern konnten und so kam die Schule, nach einem Anstupser von Frank Spiekermann, dem Leiter des Clubs, auf die Idee, dass wir doch einspringen und mit in der Bibliothek helfen könnten.

Gesagt, getan. Nach und nach übernahmen wir alle anfallenden Arbeiten, von Bücher ausleihen und zurücknehmen, bis neue Bücher einbinden und die Regale sortieren. Und aus dem unbekannten kleinen Buchclub wurde eine angesagte Truppe. Denn seitdem man sah, wie immer mehr von uns in der Bibliothek halfen, wollte man wissen, was dort abging.

Mit der Entstehung der zweiten internationalen Willkommensklasse (neu zugewanderte Kinder und Jugendliche), wurden uns dann auch die restlichen LehrerInnen abgezogen, die in den Pausen und Schulstunden Aufsicht geführt hatten und so entschloss sich die Schulleitung zu einem wohl einmaligen Plan: Die Schulbibliothek sollte ab jetzt nicht mehr von LehrerInnen, sondern von den SchülerInnen selbst geführt werden! Ein großer Schritt, der wahrscheinlich nicht oft in Deutschland vorgekommen ist. Nun kümmern wir uns auch um die verwaltungstechnischen Aufgaben, neue Sortierung und Katalogisierung der Bücher und alle Dinge, die bei einer Aufrechterhaltung einer Bibliothek anfallen.

Außerdem veranstalten wir regelmäßig Lesungen, da lässt uns die Schulleitung völlig freie Hand und der Förderverein sponsert uns dabei.

Und wir scheinen damit Erfolg zu haben. Keine Ahnung, was sich groß geändert hat, aber seit den Sommerferien ist die Zahl der SchülerInnen, die sich in der Bibliothek aufhalten immer stärker angestiegen. Plötzlich liest man wieder gerne in den Pausen oder spielt eine Partie Schach mit den ausleihbaren Brettern und Spielfiguren.

Ab den kommenden Sommerferien wollen wir auch eigene Lesungen in der großen Pause starten. Jede „Hermine“ (ja, auch die Jungs im Club heißen so, fast wie eine crazy Sekte) liest dann aus einem aktuellen Lieblingsbuch.

Zusätzlich geben OberstufenschülerInnen seit Monaten den Eltern der neu zugewanderten SchülerInnen regelmäßig Deutschunterricht in der Bibliothek – selbstverständlich freiwillig.

Doch was ist mit uns? Plötzlich interessieren sich auch Leute von außerhalb um die kleine Truppe des GSG, die ihre Bibliothek alleine managet. Die Stadtbücherei Pulheim hat nach einer Zusammenarbeit gefragt und selbst an der Universität Köln hat man schon von uns gehört!

Doch wir tun, was wir schon immer getan haben: Uns eine gute Zeit machen und mit den gleichen verrückten Leuten abhängen. Nur, das wir jetzt zusätzlich noch eine Bibliothek schmeißen.

Reading is the new sexy!

(Die Hermines)

 

 

Na, seid Ihr neugierig geworden? Dann lest Euch doch noch das Interview mit den Hermines durch:

Interview mit den Hermines

Empfohlene Zitierweise

SchülerInnen des Geschwister-Scholl Gymnasiums in Pulheim: Der Buchclub "Hermines Bibliothek" stellt sich vor: In: lesepunkte 2016, URL: https://lesepunkte.de/projekt/der-buchclub-hermines-bibliothek-stellt-sich-vor/
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