Ryosuke Takeuchi und Hikaru Miyoshi: Moriarty the Patriot 1

Lesepunkte: 4 Punkte
AutorIn: Ryosuke Takeuchi und Hikaru Miyoshi
Titel: Moriarty the Patriot 1
Verlag: Carlsen Manga, 2018 ISBN: 978-3-551-74646-7
Seiten: 210 Preis: 9,99 Euro
Altersempfehlung: ab 12 Jahren

Rezensiert von: Sohal S., 8. Klasse [Gymnasium Kreuzgasse Köln; betreut von: Viola Kügler]

Im August 2016 erschien die japanische Manga-Reihe Moriarty the Patriot (Patriotismus des Moriarty) im Magazin Jump Sqaure (ein japanischer Shōnen Manga Magazin) beim Verlag Shueisha.

Die Manga-Reihe „Moriaty“ mit sieben Sammelbändern wurde von Ryosuke Takeuchi geschrieben und von Hikaru Miyoshi gezeichnet. Die erste Reihe erschien Oktober 2018 in Deutschland bei Carlsen Manga, und wurde von Gandalf Bartholomäus übersetzt.

Die wichtigsten Personen sind William, Louis und Albert. Albert James Moriarty ist der Erstgeborene der Grafenfamilie Moriarty. Er adoptierte zwei verwaiste Brüder, die in einer Bibliothek lebten: Louis und William und gibt ihnen dadurch seinen Namen weiter (James Moriarty), obwohl er sich als Adeliger von der Schicht der Armen gesellschaftlich abhebt. Seine Familie hingegen verachtet die beiden Jungen, die er zu sich nimmt und mit denen sie zusammenleben müssen.

William wird zu einem jungen Mathematik-Professor. Er verabscheut, genau wie Albert, die Unterschiede zwischen den Gesellschaften.

Sein jüngerer Bruder Louis kümmert sich um die Verwaltungen des Grundstücks. In seiner Kindheit hatte er eine bösartige Krankheit, die aber durch Alberts Hilfe “verschwand”.

Der Konflikt der Handlung ist die Aufteilung der Gesellschaft in zwei Schichten: Adelige und Bauern. Je höher man in der Gesellschaft ‚steht‘, desto besser wird man von anderen behandelt. Die Intention des Autors ist der Ruf nach gesellschaftlicher Gleichberechtigung.

Der Band des Mangas ist in drei Kapitel aufgeteilt. Die Handlung spielt im England des 19. Jahrhunderts. Im ersten Kapitel sind William und Louis noch Kinder, die von Albert adoptiert wurden, weil er die Welt der Adeligen verabscheut, zu der er selbst gehört. Alberts Familie und auch die Arbeiter behandeln William und Louis wie Dreck und behandeln sie wie eine lästige Haushaltshilfe, denn William wird von seiner Adoptivmutter und seinem Adoptivbruder geschlagen und Louis muss die Böden putzen. Bis zu dem Tag, als ein Feuer die Situation der Kinder ändert ….

Im zweiten Kapitel gibt es einen Zeitsprung: William James Moriarty trifft ein zerstrittenes Ehepaar, dessen Sohn gestorben ist. Er erfährt, dass ein geiziger, adeliger Mann am Tod des Kindes beteiligt war, weil das Ehepaar ihm kein Geld geben wollte/konnte. William beschließt, etwas dagegen zu unternehmen und hilft der Familie, gemeinsam mit Louis und Albert, den Tod des Sohnes zu rächen.

Im dritten Kapitel stirbt eine Tänzerin, die einer Brücke tanzte und abstürzte. Laut Angaben der der Polizei handelt es sich um Selbstmord.

Als ein Schüler von William auf geheimnisvolle Weise verschwindet und andere ihm etwas zu verheimlichen scheinen, wird William neugierig. Er beschließt den mysteriösen Vorfällen auf den Grund zu gehen und holte sich Hilfe bei seinen Freunden Sebastian Moran und Fred Pollock.

Die inhaltliche Gesamthandlung ist nicht ganz glaubwürdig, weil es ein paar übertrieben unrealistische Stellen/Szenen gibt. Der Inhalt passt allerdings zur erzählten Zeit, denn im 19.Jahrhundert war die Spaltung in Gesellschaftsschichten einer der Hauptprobleme.

Die Handlungen der einzelnen Charaktere sind nachvollziehbar, z.B. versteht man durch das Verhalten der Adelingen den adoptierten Waisen gegenüber, warum William, Albert und Louis die überheblichen Adeligen so verabscheuen. Die Handlung spricht indirekt die Zielgruppe an, denn im Manga wird gezeigt, was Menschen, die ihre Macht unmenschlich macht, so alles ausrichten können und man dagegen etwas tun sollte. Hervorzuheben ist, dass obwohl die Leserschaft nicht in dem Zeitalter solcher starrer Gesellschaftsschichten lebt, sie trotzdem in die Lage versetzt wird, alles inhaltlich zu verstehen und nachzuvollziehen.

Der Autor setzte Antonomasie ein, wo man Namen durch typische Eigenschaften einer Figur ersetzt. Dies ist ein elegantes Stilmittel und unterstützt die Charakterisierung der handelnden Figuren.

Außerdem wurden Euphemismen benutzt, was die Figuren sympathisch wirken lässt, weil sie in ihrer Begeisterung zu übertreiben scheinen.

Man erkennt durch die Sprachgestaltung, dass die Hauptcharaktere aus adeligem Hause stammen und trotzdem reden sie mit Menschen, der ‚unterpriviligierten‘ Schicht als würden sie sich auf Augenhöhe begegnen, als sei ihnen die Gesellschaftsschicht, aus der das Gegenüber stammt, nicht wichtig. Louis und Williams Sprache hat sich durch das Leben in der Bibliothek und in der Grafenfamilie der Schicht der Adeligen angepasst

Die sprachliche Gestaltung und der Inhalt sind so eingesetzt, dass sie zusammen passen. So ist der Inhalt glaubwürdig und der Stillmittel gut gelungen. Einer der vielen Besonderheiten ist, dass man die Charaktere schnell kennen lernt und sich leicht in die Personen hineinversetzen kann, ohne wirklich deren Vorgeschichte zu kennen. Ich finde den ersten Band der Mangareihe sehr spannend und gut gelungen. Beim Lesen weiß man nicht mehr als Hauptcharaktere selbst und kann bei der Aufklärung der Fälle aktiv miträtseln.

Das einzige was mir persönlich nicht gefallen hat, ist, dass es so einen großen Zeitsprung zwischen der Kindheit und des Erwachsenseins der Hauptfiguren gab. Es wird im Nachhinein viel von dem nacherzählt, was innerhalb des Zeitsprungs alles passiert ist, aber mich persönlich hätte es interessiert, wie sie ein neues Leben angefangen haben und wie sie sich dabei gefühlt haben.

Ich finde der Manga ist etwas für Jugendliche und Erwachsene, für Kinder ist die sprachliche Gestaltung etwas schwierig zu verstehen. Ich bin der Meinung, dass für jedem Manga-Fan etwas dabei: man kann Rätsel lösen, es gibt hübsche Mädchen und Jungs, der Manga ist lustig und bietet auch traurige Passagen. Zusammengefasst ist der Manga gut gelungen, inhaltlich sowie sprachlich und ich würde es jedem empfehlen, egal ob Manga-Fan oder nicht.  Ich gebe vier von fünf LESEPUNKTEN.


Diese Rezension wurde aus eigener Initivative bei der LESEPUNKTE-Redaktion eingereicht. Das Buch wurde nicht von den LESEPUNKTEN zur Verfügung gestellt, sondern stammt aus dem privaten oder schulischen Bibliotheksbestand.

Empfohlene Zitierweise

Sohal S., Rezension von: Ryosuke Takeuchi und Hikaru Miyoshi: Moriarty the Patriot 1. In: LESEPUNKTE 2019, https://lesepunkte.de/rezensionen/ryosuke-takeuchi-und-hikaru-miyoshi-moriarty-the-patriot-1
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