Matthias Brandt: Raumpatrouille

Lesepunkte: 4 Punkte
AutorIn: Matthias Brandt
Titel: Raumpatrouille
Verlag: Kiepenheuer & Witsch, 2016 ISBN: 978-3-462-04567-3
Seiten: 176 Preis: 18,00 Euro

Rezensiert von: Julius Povlsen, 8. Klasse [Freiherr-vom-Stein-Gymnasium Leverkusen; betreut von: Christoph Heckl]

Ganz gleich ob Matthias Brandt vor der Kamera als Kommissar tätig ist, in den „Goldenen 20ern“ pflichtbewusst im Berliner Regierungsrat verwaltet oder in Talkshows lange ausschweift, wenn ihm eine Frage gestellt wird, die Geschichten, die er zu erzählen hat oder in seinen Rollen erzählt, sind immer ein Genuss. Jetzt da er ein Buch herausgebracht, hat wird schnell klar, dass er über sich selbst erzählt und nicht über seinen Vater Willy Brandt, der – mal eben erwähnt – als Bundeskanzler abgestempelt wird. Die Geschichtensammlung „Raumpatrouille“, 2016 erschienen, erzählt Geschichten aus dem Leben eines normalen Jungen mit normalen Hobbys, der nichtsdestotrotz in anderen Verhältnissen als seine Freunde aufwächst.

„Raumpatrouille“ ist auf knapp 176 Seiten in 14 voneinander unabhängige Geschichten unterteilt. Manche kürzer, manche länger, alle voller Selbstkritik an Brandts Familie, seinem Leben und ihm selbst. Dennoch driftet das Buch nie in eine zu tragische Richtung ab. Es wirkt (und das ist die Kunst daran), wie aus der Hand eines Kindes geschrieben. Brandt liebt es, auszuschweifen oder alles um sich herum zu beschreiben.

Egal ob das Lied, das der alte Kassettenrekorder des freundlichen Wachmanns seines Vaters spielt oder der spießige Tagesablauf seines Freundes, der ihn erst begeistert und dann am Boden zerstört, da er damit seine eigene Familie in Frage gestellt hatte. Solche Sinneswandlungen erlebt Matthias oft: Eine Woche lang träumt er davon, Fußballstar zu sein, kauft sich eine Torwartausrüstung, verliert ein Spiel, ist am Boden zerstört, sucht sich ein neues Hobby. Mal ist er Zauberer und zündet dabei aus Versehen den Vorhang seines Kinderzimmers an, mal kauft er sich von dem Geld für seine Schulbücher einen Astronautenanzug.Klar wird Brandts Vater, Willy Brandt, nicht komplett außen vorgelassen. Dies lässt sich schließlich nicht vermeiden.

Mir war es ein großer Spaß mitzuerleben, wie er bei einer Fahrradtour mit Herbert Wehner einen Unfall baut oder seinen Sohn zum Kakao trinken zu den Lübkes schickt. Hier sollte man ein wenig Vorwissen mitbringen, um die verschiedenen Anekdoten zu verstehen, es ist aber auch interessant, sich während des Lesens im Internet darüber zu informieren.

 

Matthias Brandts Schreibweise ist in seinem ersten Buch sehr simpel gehalten. Er beschreibt zwar viel, verfängt sich aber nie in zu langen Satzkonstruktionen. Auf diese leicht zu lesende Art und Weise schafft er es, seine Kindheitsemotionen auf den Punkt rüberzubringen und baut so eine Bindung zur Leserin und zum Leser auf, indem er davon ausgeht, dass diese solche Emotionen kennen. Das funktioniert super, sodass man das Buch locker an einem Stück durchlesen kann.

Schade ist an diesem Punkt nur das unbefriedigende Ende, was bewusst wie an das eines Kinderbuches erinnert, aber nicht wirklich in das Buch passt: Allzu lang war dieses auch nicht und ich persönlich hätte mir nach dem Lesen insbesondere für den üppigen Preis von 18 Euro mehr Geschichten gewünscht.

Zusammengefasst lässt sich sagen, dass jeder, der Lust auf eine leichte und unterhaltsame Lektüre hat und ein wenig Begeisterung und Vorwissen für das Deutschland der frühen 70er mitbringt, es vielleicht (altersabhängig) noch mal erleben möchte, einfach mal zuschlagen sollte, wenn ihm das Buch in die Hände fällt. Ich empfehle diese Reise ins letzte Jahrhundert so gut wie jeder Altersklasse und vergebe 4 LESEPUNKTE.

Empfohlene Zitierweise

Julius Povlsen, Rezension von: Matthias Brandt: Raumpatrouille. In: LESEPUNKTE 2019, https://lesepunkte.de/rezensionen/matthias-brandt-raumpatrouille
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