Frank Schätzing: Tod und Teufel

Lesepunkte: 5 Punkte
AutorIn: Frank Schätzing
Titel: Tod und Teufel
Verlag: Goldmann Verlag (Random House), 2003 ISBN: 978-3-442-45531-7
Seiten: 512 Preis: 11,00 Euro
Altersempfehlung: ab 14 Jahren

Rezensiert von: Erik Baum, 8. Klasse [Freiherr-vom-Stein-Gymnasium Leverkusen; betreut von: Christoph Heckl]

Wenig Teufel, viel Tod.

Oft ist es eine Kleinigkeit, die etwas ganz entscheidend verändert. Manchmal vielleicht nur eine winzige Wendung, ein Kapitel, eine Bedeutungsnuance, die den Unterschied ausmacht zwischen einem seelenlosen und einem mitreißenden Text. Für einen Autor stellt sich dadurch natürlich die Frage, wie er sein Werk mit diesen einem Alleinstellungsmerkmal versieht. Dies hat Frank Schätzing in seinem Historienkrimi, der im Jahr 1260 spielt, ganz besonders elegant gelöst.

„Tod und Teufel“ ist ein schnörkellos erzählter Kriminalroman, in dem der Kölner Kleinkriminelle Jacop der Fuchs einen Mord am Dombaumeister Gerhard beobachtet, den er nicht hätte beobachten sollen. Auf der Flucht vor dem Mörder gerät er in einen Strudel aus politischen Verschwörungen und Machtkämpfen der Patrizierfamilien mit dem Klerus, was tatsächlich auch die damaligen Machtverhältnisse in Köln zu Zeiten des Dombaus widerspiegelt.

Doch vor allem das Alleinstellungsmerkmal des Buches möchte ich hier hervorheben: Schätzings Krimi ist gewissermaßen vorhersehbar, und genau das ist es, was mir so herausragend gut gefällt. Das Buch ist aber nicht vorhersehbar, weil es schlecht geschrieben ist. Im Gegenteil: alle Ereignisse sind realitätsnah und wirken durch einen nachvollziehbaren Handlungsverlauf authentisch. Sterben z.B. ist bei Schätzing wie in der Realität eben kein heroisches letztes Aufbegehren, sondern eine brutale und sehr abrupte Angelegenheit. Dadurch werden gleich zwei Aspekte hervorgehoben: Einerseits wird die Verschwörungsgeschichte zusätzlich zu ihrer historischen Gegebenheit erst recht glaubwürdig. Andererseits wird der Leser viel eher zum Mitfiebern und -denken angeregt, weil die Wendungen in der Geschichte nie an den Haaren herbeigezogen wirken, aber auch nicht zu simpel und vorhersehbar sind. Frank Schätzing spielt immer wieder bewusst mit dieser Authentizität seines Werkes und lässt das ein oder andere Mal eine der leichtgläubigeren Figuren einem Sachverhalt etwas Übernatürliches andichten,  das sich mit dem klaren Verstand der Hauptfiguren betrachtet doch nur als erklärbarer Fakt entpuppt – wie in der Realität.

Dies alles läuft auf einen Historienkrimi heraus, der, gerade weil wahnsinnig unaufgeregt und schlicht, aus der Menge heraussticht wie kein zweiter. Wie die Hauptfiguren gestaltet sind, wie die Handlung im Detail aussieht, wie das Buch endet; all das spielt für diese Rezension im Wesentlichen keine Rolle. Für mich ist dabei gleich, wie gut die Qualität der sprachlichen Gestaltung (im Übrigen hervorragend) ist. Die Lesefreude, die ich in großen Maße beim Lesen von „Tod und Teufel“ empfunden habe, steht und fällt damit, wie die einzelnen Teile einer Geschichte miteinander harmonieren. Im Falle dieses Historienkrimis ist es die Authentizität, die als Alleinstellungsmerkmal und Mittel der Harmonie fungiert und einen hervorragenden Krimi hervorbringt.

Mehr kann und will ich auch nicht sagen, denn eine Rezension eines so umfangreichen Werkes vermag zwangsläufig nur die Kernaspekte anzusprechen und den Rest dieses aus genannten Gründen überaus befriedigenden Leseerlebnisses werde ich ohnehin dem Leser bzw. der Leserin überlassen, der/die allerdings  aufgrund mehrerer recht brutaler Darstellungen nicht jünger als vierzehn Jahre sein  sollte. Ich vergebe fünf von fünf Lesepunkten.

Empfohlene Zitierweise

Erik Baum, Rezension von: Frank Schätzing: Tod und Teufel. In: LESEPUNKTE 2019, https://lesepunkte.de/rezensionen/frank-schaetzing-tod-und-teufel
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