Almut Shulamit Bruckstein Çoruh und Hendrik Budde (Hg.) im Auftrag der Berliner Festspiele: Taswir – Islamische Bildwelten und Moderne

Lesepunkte: 3 Punkte
Autor: Almut Shulamit Bruckstein Çoruh und Hendrik Budde (Hg.)
Titel: Taswir – Islamische Bildwelten und Moderne
Verlag: Nicolai Verlag, 2009 ISBN: 978-3-89479-554-2
Seiten: 264 Preis: 34,95 Euro
Altersempfehlung: ab 14 Jahren

Rezensiert von: Stephanie Listl und Lea Waizer, 11. Klasse [Maria-Ward-Gymnasium, München; Betreut von: Jennifer Schilling-Schittenhelm]

Das Interesse an der islamischen Kultur steigt weltweit stetig an. Aufgrund dessen haben die Berliner Festspiele eine Ausstellung ins Leben gerufen, die sich den islamischen Bildwelten widmet. „Es soll nichts anderes, aber auch nichts Geringeres entstehen als ein Bildatlas zur islamischen Kunst, eine Versuchsanordnung, die den Besucher über eine der großen Kulturen unserer Welt anschaulich unterrichtet.“ (S. 7, Vorwort)

Das Buch wurde von Almuth Shulamit Bruckstein Çoruh und Henrik Budde im Auftrag der Berliner Festspiele herausgegeben. „Islamische Bildwelten und Moderne“ ist als Katalog der gleichnamigen Ausstellung im Nicolai Verlag im Jahr 2009 erschienen. Es ist inhaltlich zweigeteilt und besteht im ersten Teil aus sieben Essays, die von verschiedenen AutorInnen verfasst wurden. Sie sollen den LeserInnen einen Überblick über die Entwicklung der islamischen Kunst von der klassischen Zeit bis hin zu zeitgenössischen Tendenzen geben. Im zweiten Teil des Kataloges werden die Werke der Ausstellung als Fotografien gezeigt.
Von den sieben Essays, die sich mit der Erklärung und Beschreibung der Ausstellung und deren Hintergründen, der unterschiedlichen Raumgestaltungen und der Realisierung der Ausstellung befassen, haben wir uns mit einem ausführlicher beschäftigt. Der Essay „Schreiben, Lesen, Verzieren - Zur Bedeutung der Kalligraphie in der Gegenwart“ von Oleg Grabar behandelt die Bedeutung der Kalligraphie in unserer heutigen Zeit. Der Autor weist darauf hin, dass bereits sehr viele ältere islamische Werke und Schriften in der Kunst und der Literatur existieren und behandelt deshalb nicht die historische, sondern die aktuelle Bedeutung der Kalligraphie in der heutigen Kultur ausführlich. Nach Grabar ist die Problematik bei der Beurteilung der Kalligraphie, dass man im Gegensatz zur Geschichte, Entwicklung und Bedeutung der Kalligraphie, die Qualität nicht bemessen könne. Nach seiner Auffassung gibt es drei verschiedene Möglichkeiten Kalligraphie in der Kunst zu verstehen. Sie gilt erstens als Gegenstand des Verzierens, bei dem die Ästhetik im Vordergrund steht, zweitens als Gegenstand des Lesens, bei dem die Ästhetik und die Botschaft zusammenwirken und drittens als Gegenstand des Schreibens, bei dem die Bedeutung der Schrift das Hauptmerkmal ist.
Dieser Essay ist sehr ausführlich und besteht aus vielen langen Sätzen. Teilweise werden leider bestimmte Fachbegriffe, beispielsweise wie „Sujet“ nicht genauer erklärt. Die inhaltlichen Zusammenhänge werden jedoch gut aufgezeigt und die LeserInnen werden über das Thema tiefgehend informiert. In einem anderen Essay wird die islamische Kunst mit ihren Werken und Entwicklungsmöglichkeiten erklärt. Weitere Texte befassen sich unter anderem mit der Problematik des Begriffs „Islamische Kunst“, mit dem Umgang von Ländern, wie Palästina, und deren Nomaden mit der Kunst und der Miniaturmalerei und deren Bedeutung in der Geschichte des Islam.
Zu den im Buch abgebildeten Werken ist zu sagen, dass sie teilweise ausführlich erklärt werden, aber hauptsächlich als Bilder und Einleitungen der Kapitel fungieren. Die verwendeten Bilder sind sehr eindrucksvoll, aber es ist oft schwierig einen Zusammenhang zwischen Abbildung und Thema herzustellen, da die kurze Bildunterschrift nur wenige Informationen liefert. Ein Beispiel, das uns hingegen positiv aufgefallen ist, ist die Rauminstallation „Blind Date“ mit deren Bildunterschrift: „Sie [..] manifestiert das Changieren zwischen Poesie, Schrift und Bewegung und inszeniert ein spielerisches hin und her zwischen verbalen, visuellen und performativen Dimensionen der Schrift.“ (S. 63). Die Rauminstallation besteht aus unzähligen Kautschukplatten, die an Schnüren an der Decke befestigt sind. Sie ähneln dadurch Schaukeln. Mit Deckenlampen werden die Kautschukplatten beleuchtet, wodurch Schatten auf dem Boden entstehen. Auf die Platten wurden mit weißer Farbe kalligraphische Zeichen gemalt. Die Installation ist betretbar und wird durch Sound Aufnahmen unterstützt.
Besonders gut gefallen hat uns, dass die Essays nicht nur von einer/einem AutorIn verfasst worden sind und so die Meinungen und Auffassungen unterschiedlicher Personen dargestellt und präsentiert worden sind. Dadurch ist es möglich, sich nicht nur von der persönlichen Meinung einer Autorin bzw. eines Autors beeinflussen zu lassen, sondern sich durch die verschiedenen Ansichten eine unabhängige Meinung zu bilden. Ein weiterer positiver Aspekt war, dass Verbindungen zwischen dem Koran und europäischen Künstlern, wie Picasso, hergestellt wurden. Dies zeigt exemplarisch die Wirkung der islamischen Kultur auf europäische Maler und deren Faszination für die Kunst und Kultur des Islam. Außerdem wirkt das Buch durch die vielen Bilder sehr anschaulich.
Im Gegensatz dazu finden wir allerdings, dass die Essays sprachlich teilweise wenig unterhaltsam oder anschaulich genug verfasst sind und durch die Fachsprache oft kompliziert geschrieben sind. Dies finden wir etwas schade, da das Thema an sich sehr interessant ist, uns persönlich aber das Buch aufgrund der oben genannten Punkte enttäuscht hat.
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Essays zwar eine gute Grundlage für das allgemeine Verständnis des Buches liefern, sie allerdings sprachlich sehr komplex und nicht für Laien verständlich geschrieben sind. Der zweite Teil des Buches mit den Abbildungen der Werke ist hingegen für jeden Leser verständlich und hat uns deshalb im Gegensatz zu den Essays sehr gut gefallen.
Das Buch bekommt von uns drei Lesepunkte, weil es uns trotz der negativen Aspekte gut gefallen hat und uns einen ausführlichen Einblick in die islamische Kunst verschafft hat.

Empfohlene Zitierweise

Stephanie Listl und Lea Waizer: Rezension von: Almut Shulamit Bruckstein Çoruh und Hendrik Budde (Hg.)im Auftrag der Berliner Festspiele: Taswir – Islamische Bildwelten und Moderne. In: LESEPUNKTE, URL: http://lesepunkte.uni-koeln.de/rezensionen/almut-shulamit-bruckstein-coruh-und-hendrik-budde-hg-im-auftrag-der-berliner-festspiele-taswir-islamische-bildwelten-und-moderne/
Bitte setzt beim Zitieren dieses Beitrags hinter der URL-Angabe in runden Klammern das Datum Eures letzten Besuchs dieser Online-Adresse.

Noch keine Kommentare bis jetzt

Einen Kommentar schreiben